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Mäusschenohren und Frauen in Pflegeberufen

Wand lässt packen. Das ist ja wohl das Mindeste, was ich für ihn tun kann! Immerhin habe ich sein großzügiges Angebot, ihm seine neue Wohnung zu tapezieren, dankend abgelehnt. Dabei bin ich richtig gut darin. Zwischen einer Erfurther Rauhfaser und mir gibt es eine tiefe Symbiose, die vielleicht nur noch durch meine Leidenschaft für Red-Band-Weingummi getoppt wird. Tapezieren und Tiramisu – das sind die Dinge, die ich wirklich kann! Aber im Einpacken bin ich nach elf Umzügen auch nicht schlecht.

Wand hätte es aber auch leichter haben können. Bereits im April habe ich – nachdem ich von seiner zuckersüßen SMS an seine Krankenschwester erfahren haben – seine Koffer gepackt. Unter Tausenden von Beschwörungen, wie sehr doch eigentlich mich liebt, und dass er rein gar nichts für sie empfindet („Ich habe mich da in was verrannt, ich war ein Idiot“ hat er sie wieder ausgepackt.

Und auch im Mai, als ich seine komplette Büroausrüstung liebevoll in diese praktischen, blauen Müllsäcke, verstaut hatte, ordnete er alles wieder fein säuberlich in die Regale („Ich habe doch keinen Kontakt zu ihr, ich habe gar kein Interesse“. Er hätte sie nur wegtragen müssen – waren ja nur vier! Wenn man sich nämlich mit etwas Anlauf drauf setzt, kriegt man die Sachen sehr komprimiert. Dafür ist so ein breites Hinterteil unheimlich gut.

Nun kommt sein bisheriges Leben mit uns also in Umzugskartons. Da er durch das Tapezieren aber so gestresst ist – Entschuldigung, zwei Zimmer in drei Tagen!!!! (ich wäre an einem Nachmittag fertig!!!) muss ihm die gute, alte Elsie eben unter die Arme greifen. Vielleicht hilft ja die Krankenschwester beim Auspacken! Außerdem muss er sich natürlich auf seine – gelegentlichen – einsamen Abende vorbereiten. Dafür hat er bei Ebay bereits eine Perücke, brünett mit gedrehten Spitzen, ein hautenges transparentes Blüschen und ein Paar niedliche High-Heels in Größe 42 bestellt.

Ja, außer der Lehrschwester hat der gute Wand eben noch ein paar Geheimnisse. Übrigens, zumindest auf den ersten Blick haben die der Krankenschwester die gar nicht gefallen. Das Bild, dass Wand per Selbstauslöser von sich gemacht hat, schien nicht ihr Geschmack zu sein. Ich habe es ihr nämlich bei unserem lauschigen Treffen im Gartenrestaurant mitgebracht. Kann ich gar nicht verstehen: Wand sah doch toll aus in seinem Ledermini, mit Stöckelschuhen und den Mäuschen-Ohren aus der Verkleidungskiste der Kinder! Will sie etwa die Ohren?

Vielleicht hat sie aber auch nur der Hundenapf gestört. Da klebte nämlich noch Futterreste dran, und Krankenschwester sind da ja ziemlich penibel. Andererseits, Frauen in Pflegeberufen sollte doch nichts Menschliches fremd sein. So`n kleiner Einlauf vor dem Frühstück ... Höchstwahrscheinlich kann sie mit Wand nun endlich all ihre Phantasien ausleben. Etwas dominant fand' ich sie schon immer!

Und das sollte mir eigentlich egal sein – ist es nur dummerweise nicht! Ich finde es S C H R E C K L I C H! Abartig! Höchstens mit zwei bis fünf Sambucca kann ich leicht darüber schmunzeln – irgendwann mal. Und außerdem ärgere ich mich, dass ich für dieses illustre Freizeitvergnügen auch noch mit aufkommen muss. Noch haben wir ein gemeinsames Konto. Ich finde die Lehrschwester könnte sich ruhig mal dran beteiligen. Ist doch ihr Hobby! Wie viele Flaschen Sambucca könnte ich mir davon leisten, um die kommenden Wochen zu überstehen. Mindestens fünf! Wenn sie gerade im Angebot sind...

Bis zu seinem Auszug am kommenden Samstag gibt Wand jedoch noch mal tüchtig Gas. Ich soll es mir immer noch überlegen! Schließlich liebt er ja nur mich – wie das letzte Jahr deutlich gezeigt hat. Ja, Wand, die Schwester und ich haben in der vergangenen Woche Jahrestag gefeiert. Zwischen meinem Latte Macchiato und den letzten Brötchenkrümmeln hat er mir damals eröffnet, dass er sich in dieses bezaubernde, platinblondgefärbte Miststück (war das jetzt zu hart???) verliebt hat. Anschließend musste ich arbeiten. Schön war`s. Abends hat mir dann meine damalige Freundin – also das Miststück – erklärt, dass das für sie ja überhaupt nicht in Frage käme. Sogar an ihre Brust gedrückt hat sie mich.Tja, und Wand hat dann auch kräftig zurück gerudert und bei mir alles gegeben. Tolle drei Monate hatten wir! Bis, ja bis...

Wahrscheinlich sollte ich langsam mal damit aufhören. Diese selbstquälerischen Tendenzen sind bestimmt nicht gut für das Herz-Kranz-System! Reicht ja, wenn Wand mir durchaus eine Mitschuld einräumt. Wer hat ihm denn in den vergangenen Monaten keine Zeichen seiner Liebe gegeben? Jawohl, ich!!!! Weil ich tatsächlich ziemlich gereizt war! Ich finde Affären meines Ehemannes eben unschön. Daran muss ich wohl arbeiten. Diese Null-Toleranz-Grenze ist möglicherweise mein Hauptproblem. Jetzt aber erstmal Wands!

26.9.10 14:39

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