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Wofür der liebe Gott die Ikea-Trafos geschaffen hat

Aus der Traum vom Küchenglück. Habe ich es nicht gleich gesagt? Einbauküchen waren schon immer mein Verderben. Diesmal endete die krokantfarbene Illusion an einem Sonntag im August. Oder vielleicht schon ein paar Tage eher. Also an dem Dienstag davor.

Wand hatte sich in den letzten Tagen sehr bemüht. Rollte Sushi für mich, zündete Kerzen an und bat mich, es doch noch einmal mit ihm zu versuchen. Fast schon wankte mein Entschluss, das Haus zu teilen, Wand bei den Kindern und seiner Ceran-Gas-Kochplatten-Kombi im Erdgeschoss zu lassen und im oberen Geschoss mein Glück zu finden. Um, wie Wand stets betonte, zwar eine räumliche Distanz zu schaffen, aber immer noch die Chance zu haben, wieder zu einander zu finden. Was, so Wand, sein innigster Wunsch sein.

Ich zog also mal wieder den Hund durch den Wald, als mein Handy klingelte. Wand! Er wollte wissen, wo ich denn wäre und die Kinder, er müsse nämlich ganz dringend zur Post. Sofort schrillten bei mir die Glocken. Und tatsächlich, zehn Minuten später, bekam ich statt Wands Stimme nur das Besetztzeichen von seinem Handy. Aber das, so betonte er später ausführlich und umständlich, lag nur daran, dass sein Telefon abgestürzt ist. Wand hat nach 13,5 Jahren noch nicht gemerkt, dass ich gar nicht blond bin.

An besagtem Sonntag konnte ich es mal wieder nicht lassen. „Schwöre beim Leben deiner Kinder, dass du keinen Kontakt zu ihr hast“, forderte ich höchst pathetisch. Wand blieb ganz Wand. „Warum sollte ich das für dich tun?“ Und da lag er dann, handlich und unschuldig auf meinen Schreibtisch, der kleine Ikea-Trafo, von dem schon seit Langem niemand mehr wusste, wofür er überhaupt gedacht war. In diesem Moment wusste ich es. Mit einem gezielten Wurf – ein ähnlich guter hatte mich mal zur Jahrgangsbesten bei den Bundesjugendspielen gemacht – traf ich ihn am Kopf.

Wahrscheinlich hätte es bessere Stellen in der Körpermitte gegeben, schlecht war der aber nicht. Danach flog sein heiß geliebter Palm aus dem Fenster. „Bei jeder Lüge fliegen weitere Teile“, drohte eine bitterböse Elsie. Wand zuckte bereits. Ich griff in seine Eingeweiden: zu seiner Kamera! Da setzte es bei Wand aus. Wenn Wand überhaupt etwas liebt außer sich selbst, dann ist es seine Nikon. Die Kinder, den Hund und selbst mich hätte ich aus dem Dachfenster halten können – kein Problem. Aber nun sang er. Seine hübsche kleine Affäre mit der willigen Krankenschwester lief nämlich munter weiter. Die ganze Zeit.

Monatelang hatte er geschworen, versprochen und bereut. Tag für Tag. Ehe, Kinder, Existenz – all das hatte er für sein blondes Hässchen gerne riskiert. Nicht aber seine Spiegelreflex! Welche Frau ist das wert? Nach seinem Geständnis tat Wand dann das, was er immer macht: Er haute ab. Und ich? Ich rief mit seinem Handy die Krankenschwester an, der ich natürlich im Urlaub sehr ungelegen kam. Aber gütig wie Menschen in Pflegeberufen nunmal sind, öffnete sie mir ihr Zeitfenster und räumte mir einen Termin in sieben Tage, nach ihrer Rückkehr, ein.

Wand kehrte erst am nächsten Morgen zurück. Am Abend gab er mir dann seine bis dato geheime Prepaid-Karte, die er ausschließlich für sein Schnuckelchen nutzte. Und Schnuckelchen schrieb auch gleich fleißig, wie cool sie mich doch „abgeblockt“ hätte. Und das er mir doch bitte nicht verraten sollte, dass sie ihm von unserem Telefonat informierte. Zwei Tage später bat sie ihn dann um ein Treffen – natürlich vor unserem Date am Sonntag – und persönlich. Dumm nur, dass Wand mir erstens seine Telefonkarte gelassen und er zweitens endgültig die Flucht in ein Ferienpark in Holland ergriffen hatte. Und drittens war ich selbstverständlich gerne bereit, eher mit ihr zu reden – persönlich. Ich antwortete für ihn.

Tatsächlich war Mausi dann am Samstagabend ordentlich überrascht, statt ihres charmanten Bettgespielen plötzlich dessen Ehefrau gegenüber zu stehen. Schließlich hatte sie extra ihre Haare neu blondiert, eine schicke Bluse angezogen, die Falten aufwendig kaschiert und ein romantisches Gartenrestaurant für den Anlass ausgesucht. Aber sie redete. Drei Stunden lang. Zugegeben, schön war es nicht, zu hören, dass Wand und ich eigentlich schon gaaanz lange auseinander sind, er nur noch nicht das passende wohnliche Ambiente gefunden habe, um sich endgültig von mir zu trennen. Außerdem wäre ich ja ab Oktober arbeitslos – was, ätschibätschi gar nicht stimmt! - und wir das finanziell noch gar nicht hin bekämen. Ehrlich gesagt, war jeder Satz ein Schlag in den Magen.

 So gesehen war die Krankenschwester ja ein reiner Unschuldsengel, die wohl ganz verdrängt hat, dass ich bereits im September und dann noch mal im April mit ihr geredet hatte. Aber auch sie war offensichtlich überrascht vom Sushi-Essen, von der räumlichen Distanz um wieder zu mir zurück zu finden, von den vielen „Elsie, wir schaffen das doch“ .... und vielem mehr. Und auch von seinem hochinteressanten Profil auf Sexsklavenzentrale.com, was ich ihr extra mitgebracht hatte. Gut, die Nummer mit der Prepaid-Card ließ ich vorsichtshalber mal weg. Umso härter traf sie wohl die Nachricht, die da plötzlich von Wands Absender kam: „Und, wie läuft's?“, fragte Wand, während sie mit seiner Frau plauderte. In Wirklichkeit war es meine Freundin Moppel, die mich zum Treffen gefahren hatte und zu diesem Zeitpunkt im Besitz von Wands Handy war.

Tja, da hatte Wand wohl Spaß während der vergangenen Monate. Richtig Spaß. Soviel Spaß, dass er jeden und alle belogen hatte. Die Krankenschwester tat naiv. Für sie wären das ja ganz andere Voraussetzungen gewesen. Sonst hätte sie das ja nie getan. Nee, ist klar. Geheim Handynummern, heimliche Treffen mit getrennten Anfahrten, nächtliche SMS.... alles ganz andere Voraussetzungen! Vielleicht muss ich noch erklären, dass die Krankenschwester und ich einst – bis sie sich meinen Mann angelte - sehr gute Freundinnen waren. Eine meine besten dachte ich sogar. Angefangen hat unsere Freundschaft übrigens, als ihr Mann sie vor drei Jahren wegen einer anderen – heimlichen Affäre – verlassen hat. „Wie kann diese Frau das tun, ein verheirateter Mann, Vater von zwei Kinder“, heulte sie damals. Und Elsie, die blöde Kuh hatte Mitleid. Auch als Mausi Schweingrippe hatte oder ihr Garten während ihres Urlaubs bewässert werden musste. Oder als ihr Scheidungstermin war.... Ja, ich war nicht blöd, ich war saublöd.

Das ist nun vorbei. Wie übrigens alles andere auch. Denn am nächsten Tag rief Blondchen bei mir an. Und ich schlug vor, Wand gemeinsam mit all seinen unterschiedlichen Wahrheiten zu konfrontieren. Und Wand, überzeugt von der Blondheit aller Frauen und der wahnsinnigen Überlegenheit der männlichen Gattung, schöpfte keinen Verdacht, als ich ihm vorschlug, mit mir Essen zu gehen. Er schlug sogar noch das Lokal vor, in dem Blondie und ich uns bereits verabredet hatten. Gut, in aller Bescheidenheit muss an dieser Stelle mein oskarverdächtiges Schauspieltalent erwähnt werden. Sonst hätte es wohl nicht funktioniert. Kurz um, Wand war entsetzt, Mausi souverän, und ich in Versuchung, Wand die Rotweinflasche über den Kopf zu ziehen, nachdem ich den Inhalt über seiner Süßen geleert hatte. Die Krankenschwester ging und Wand bekam ein Ultimatum. Bis zum 1. Oktober hat er Zeit, danach fliegt nicht nur die Kamera.

Zwei Tage lang rutschte er anschließend auf Knien vor mir herum. Fast kam ich mir vor wie ein Guatannamo-Häftling, dem durch Schlafentzug und Dauerfolter ein „ja-Wand-du-kannst-bleiben- ich-verzeihe-dir-alles-und-überhaupt-bin-ich-eigentlich-Schuld-an-deiner-schmutzigen-Affäre“ entlockt werden soll. Auch ich kann nur ein gewisses Maß an Alkohl, Zigaretten und Schlafmangel verkraften. Und davon hatte ich in den vergangenen Monaten nun wirlich mehr als genug. Dann war er schon fast wieder der Alte. Ja, tatsächlich, bin ich an allem Schuld. Er musste die ganze Zeit vergeblich auf ein Zeichen meiner Liebe warten. Was blieb ihm da anderes übrig, als weiter mit meiner besten Freundin in die Kiste zu steigen? Gut, in meiner verschobenen Wahrnehmung sehe ich das sicher anders, aber ich bin ja nun auch die kleine, dumme Elsie. Allerdings fragt er ein bis zweimal am Tag, ob ich es mir nicht noch einmal überlegen will. Schließlich habe er immer nur mich geliebt und wollte mich nie verlassen. Blondie war nur für Spaß – sprich Sex. Ha! Ach ja, und er fragt, ob ich ihm nicht helfen könne, seine neue Wohnung zu tapezieren....

12.9.10 17:06

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