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Wand hat Probleme

Ich hatte ja versprochen, Wand noch einmal näher vorzustellen. Vielleicht fange ich dazu am besten mit seinem Namen an. Also, Wand heißt nicht etwa Wand weil der Name so gut zu seinem Beruf passt - was er tut - oder weil er so schön zum Anlehnen ist - was er nicht ist. Der Name Wand hat etwas mit seiner Kommunikationsfähigkeit und mit seiner emotionalen Stärke zu tun. Gute Wände sind im Gemeinhin ja im Winter warm und im Sommer kühl. Bei Wand ist quasi immer Sommer. Zu warm wird es mit ihm nie.

An Wand prallt einfach alles ab, was für ihn sehr praktisch ist. Aber keine Angst, ganz so statisch ist er dann doch nicht. Wenn Wand sichtlich bewegt ist und auf möglicherweise existentielle Fragen antworten soll, zuckt er schon mal die eine oder andere Schulter, gerät er in Wallung gar beide, und wenn er so richtig gefühlsmäßig in Extase wallt, kommt schon mal ein "Ich weiß es nicht" über seine Lippen.Das kam in den vergangenen Monaten sehr häufig vor. Wand steckt nämlich in einer Krise. In der Krise.

Sein Klimakterium äußert sich vor allem in einer alles umfassenden inneren Leere, so Wand. Gefüllt werden konnte diese nunmal nur mit blonden Krankenschwestern (ehemals eine meiner besten Freundinnen) und reitzenden Damen, die Wand auf einschlägigen Internetseiten kennengelernt hat - nur zum Kaffeetrinken natürlich! Er brauchte einfach eine Zuflucht. Dafür hat sicher jeder Verständnis, oder?

Ich hatte keins. Deswegen hat Wand nun mit mir Stress. Und mit seinem Job, seinem Chef, seinen Kindern, seinem Zuhause, seinen Eltern, seiner Krankenschwester, seinem Heuschnupfen, dem Hund, der Verdauung und dem Rest der Welt.

Schuld an all dem bin in erster Linie natürlich ich. Ich bin nämlich weder blond, noch willig und schon gar nicht blöd. Viel zu früh bin ich nämlich hinter seine "Zuflucht" gekommen, und nun kann er seine Gefühle überhaupt nicht mehr zuordnen.

Abhilfe schaffen soll deshalb "räumliche Distanz" - und nun kommt wieder meine Krokantbecher-Küche ins Spiel. Gerade hatte ich mich schon fast auf sie gefreut, als Wand mit dem nächsten Problem um die Ecke kam: Er hat Ärger mit dem Chef! Der will ihn offensichtlich loswerden, und deshalb sollte ich meine nagelneue Trost-Einbauküche wieder stornieren. Dabei wollte ich mich gerade hemmungslos in sie verlieben. In Magnolia hochglanz! Ich habe schon von passenden Topflappen, Abtropfsieben und Gewürzgläsern geträumt!!!!! 

Doch räumliche Distanz ist natürlich total unangesagt, wenn die innere Leere möglicherweise bald der Alleinverdiener im Haushalt ist. Da muss man doch zusammen stehen, Wand und ich.

Ich habe den Vertrag trotzdem unterschrieben.  

 

 

 

 

 

 

 

 

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Einbauküchen-Blues oder mein neues Leben

Mein neues Leben sieht ein bisschen aus wie ein Krokantbecher bei meinem Lieblings-Eisdealer: Vanille mit Nuss. Allerdings in Hochglanz. So sehen nämlich die Fronten meiner neuen Einbauküche aus, die ich morgen bestellen werde. Und anders als bei der süßen Kalorienbombe ist mir dieses Mal schon vor dem Bestellen schlecht.

Das wiederum liegt zum einen daran, dass ich damit die endgültige Trennung von Tisch, Bett und vor allem von Wand (wer das ist, erkläre ich später) einläute, zum anderen an einer tief sitzenden Einbauküchenphobie, die sich im Laufe meines Lebens als überaus begründet erwiesen hat. Einbauküchen haben mir noch nie Glück gebracht. Eine mehr oder weniger glückliche Kindheit lang lebte ich ohne. Meine Eltern bestückten den Lebensmittelpunkt unserer Familie zwar mit zueinander passenden Schränken, jedoch ohne die obligatorische, alles verbindende Arbeitsplatte. Das zählt also nicht. Erst als ich mit 15 Jahren zu meinem Vater zog – meine Eltern sind geschieden – nahm ich meine Mahlzeiten in Eiche rustikal ein. Es waren harte Jahre! Meine erste eigene Wohnung richtete ich wiederum mit Fundstücken aus diversen Kellern ein. Später miete ich die Küchen einfach mit dazu.

Dann, vor knapp 14 Jahren, betrat ich zum ersten Mal ein Küchenstudio. Quasi sofort hatte ich ein schlechtes Gefühl. Ich war einfach noch nicht bereit, eine solche Bindung einzugehen. Ehe, Kinder, alles kein Problem – eine Küche jedoch wird man so schnell nun mal nicht wieder los. Da war ich mir sicher. Trotzdem ließ ich mich von meinem damaligen Freund überreden, mein Vater spendete sogar noch einen Teil der Anschaffungskosten.

Nach nicht mal zwei Jahren war ich mit meiner Einbauküche, Front weiß/buche, unterwegs in Richtung Italien. Der „Küchenteilhaber“ war längst ausgezogen, sein Anteil ausgezahlt (dafür hatte ich auf den Wohnzimmer- und den Kleiderschrank, das Bett und den Couchtisch verzichten müssen) und die Küche irgendwie über. Ich hatte mich nämlich in eine neue, beziehungsweise in deren Besitzer, verliebt. Für gerade mal den halben Neupreis, damals 4000 DM, kaufte mir meine Schwester in Italien den Ballast ab. Und ich war wieder frei!!!!

Dieser wunderbare Zustand währte allerdings nicht lange. Denn mit dem neuen Küchenbesitzer änderte sich auch mein Leben von Grund auf. Zunächst verließen wir unsere Heimat – und natürlich auch die vorhandene Einbauküche - in Richtung Ruhrgebiet, um künftig dort zu leben und zu arbeiten. Übergangsweise konnte ich mich durchsetzen: Ich war jung, verliebt und kreativ. Hingebungsvoll lackierte ich zwei Werkbänke, baute eine Spüle ein und bastelte und kreierte solange daran herum, bis so etwas wie eine Küche entstand. Ein offener, innovativer Look! Ich war begeistert, mein Schatz weigerte sich „in so einem Provisorium“ zu kochen. Und überhaupt: Er wollte ein Eigenheim mit Garten, Kinder und – eine Einbauküche.

Wenig später stand ich also wieder in Küchenstudios, dieses Mal zum Preisvergleich gleich in mehreren hintereinander. Anfangs wehrte ich mich tapfer gegen Oberschränke und putzintensive Edelstahlabzugshauben und verwies statt dessen auf das schwedische Einrichtungshaus mit den praktischen Mitnahmemöbeln. Doch von Studio zu Studio wurde mein Widerstand geringer. Schließlich zogen die Einbauküche und wir in unser neues Eigenheim ein.

Das ist jetzt fast elf Jahre her. Die Küche verzeichnet inzwischen einige Kratzer und auch von mir ist offensichtlich der Lack ab. Denn – nun kommen wir zu Wand, meinem Noch-Ehemann – findet Wand, dass es Zeit ist für einen Modellwechsel. Allerdings nicht bei der Einbauküche, sondern bei mir. Das Modell seiner Wahl ist blond, ledig und in seinen Augen sehr attraktiv. Ich hingegen werde nun mit einer – nach Ansicht der Möbelhausverkäuferin – ebenfalls attraktiven Einbauküche abgefunden. Zumindest im übertragenen Sinne, denn bezahlen muss ich sie ja schließlich selbst (30 Prozent Anzahlung, den Rest per 0-Prozent-Finanzierung über 24 Monate).

Nun denken Sie nicht, ich wäre verbittert. Nein, die neue Liebe ist schon gebraucht, ebenso wie die Kitchen-Aid und die Couch, die Wand unbedingt behalten will. Ich hingegen bekomme eine nagelneue Einbauküche und vielleicht sogar noch einen Wasserkocher dazu. Was will man denn mehr?

P.S. Nun hätte ich fast vergessen, von einem weiteren, tragischen Einbauküchenzwischenfall zu berichten. Es gab noch einen anderen Mann, der mich wegen einer Einbauküche verlassen hat! Der wollte nämlich eine – und zwar sofort. Ich war aber noch nicht so weit!

1 Kommentar 1.8.10 20:22, kommentieren