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Matschauge sei wachsam

Es läuft nicht alles glatt. Die Regenwassernutzung zum Beispiel. Die hat nämlich nicht nur nicht mehr funktioniert, sondern auch noch fürchterlich gestunken. Ein guter Grund für Wand, noch einmal ins Feld zu führen, was er nicht alles getan hat (stimmt, er hat den Müll raus gebracht und die Steuererklärung zu seinem Steuerberater geschickt!). Also hat Superwoman in Begleitung eines Stemmeisens sich selbst ans Werk gemacht.

Tatsächlich habe ich den tonnenschweren Betondeckel an die Seite bewegt, beherzt im Tank herum gestochert - so wie Wand das wahrscheinlich auch getan hätte – und festgestellt, dass ich nichts feststellen kann. Und dann bin ich gescheitert: Dieses Mistvieh von Deckel ließ sich von mir nicht mehr auf den Tank schieben. Das brachte mich nun wieder völlig aus der Fassung. Bäuchlings im Dreck, mutterseelenallein und von der Welt und vor allem von Wand im Stich gelassen, heulte ich mich durch den Dienstagvormittag.

Eine schlaue Frau hat mal gesagt, eine betrogene Ehefrau braucht wasserfestes Mascara. Recht hat sie. Und Klempner! Die habe ich schließlich zur Hilfe gerufen. Jetzt bin ich zwar finanziell ruiniert, aber es stinkt nicht mehr und der Deckel ist zu! Das muss ich den Kindern nun nur noch als fantastisches Weihnachtsgeschenk verkaufen: „Nein, Spielzeug gibt es dieses Jahr nicht, dafür riecht es bei uns aber auch nicht mehr unangenehm. Das ist doch auch toll, oder?“

Danach hätte das Leben fast wieder schön sein können, wenn nicht irgendeine, wahrscheinlich lebensbedrohende (mindestens!!!) Hautkrankheit mich entstellt hätte. Beide Augen leuchten tageweise in einem dezenten Feuerwehrrot. Und brennen so wie seinerzeit die Halle der ortsansässigen Großspedition.

Bevor ich mich jedoch dieses mal wieder weinend in den Dreck geworfen habe, bin ich gleich zum Fachmann gegangen, zum Arzt meines Vertrauens. Der wollte aber nicht so richtig ran, obwohl er doch die Möglichkeit hatte, ausgiebig in meine strahlend blauen Augen zu blicken! Statt Salbe gab es ne` Überweisung zum Hautarzt. Die Öffnungszeiten dieser Fachschaft liegen allerdings derart fernab der einer Redakteurin bei einer Lokalzeitung, dass ich den gelben Zettel direkt dem Altpapier übergab und stattdessen meine Kollegen zu Rate zog. „Cortison“, meinte mein allergieerfahrene Kollege aus dem Sport.

Eine Odyssee begann. Rein in die Apotheke, raus aus der Apotheke, den Arzt angerufen, wieder rein in die Apotheke, wieder raus aus der Apotheke, noch mal den Arzt angerufen... Ich musste meine ganze Überzeugungskraft nutzen, um ihm klar zu machen, dass ich nicht beabsichtige, mit einer Cortisonsalbe Medikamentenmissbrauch zu betreiben. Schließlich bekam ich sie - leider zu spät.

Nach einer wunderbaren Weihnachtsfeier mit den lieben Kollegen, inklusive ausreichend Rotwein und Verdauungshilfe (es gab Fisch, und der will bekanntlich schwimmen) schlurfte ich am nächsten Morgen – den Kopf fest in beiden Händen – zum Bäcker. Ganz bestimmt kein schöner Anblick! Und da stand sie natürlich, die Krankenschwester! Der letzte Rest Würde und Muskelspannung brachten mich noch rechtzeitig in die Hofeinfahrt meiner Nachbarn. Ja, jetzt könnte man zu Recht sagen, ich bin ein Feigling. Aber mit dem Matschauge? Ungekämmt? Und Übernächtigt? Nein, in diesem Fall bin ich mir Vollkommenheit schuldig. Nächstes Mal. Immerhin habe ich in den vergangenen Wochen schon sechs Kilo abgenommen. Figur ist also schon mal da.

Auch komisch eigentlich. Nach der Hochzeit habe ich acht Kilo zugenommen, jetzt sind sie fast weg. Scheint so, als ob ich endlich den ganzen Wand-Ballast verliere.

28.11.10 12:01, kommentieren

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Wenn der Klempner kommt oder weiße Baumwolle

Das mit der Krankenschwester läuft nicht gut. Zumindest nicht so gut, dass Wand sich nicht auch bei mir Mühe geben würde. Und dass, obwohl ich doch Schuld an seiner Affäre bin. Ja, nicht nur die Tapete, sondern auch meine Schlüpfer waren letztendlich der Grund, warum er sie neu orientieren musste. Baumwolle, weiß, bei 60 Grad waschbar – eine Zumutung! Etwas Adäquateres wollte er mir aber auch nicht schenken, sonst hätte ich womöglich gedacht, er schenkt mir das, was er gerne anziehen will. Hätte ich.

Sein basisfestes Argument lässt nun allerdings tief blicken – bei der Krankenschwester. Die ganze Zeit frage ich mich schon, was sie hat, was ich nicht habe. Nun weiß ich es. Schlüpfer!!! Während sie also oben herum ihren Winterblouson im 80er Jahre-Look trug oder ihren niedlichen Faltenrock, gab es unten herum Passionata, Victoria Secrets und Ähnliches – oder, wenn ich an Wands Equipment-Koffer denke, Beate Uhse oder Orion. Ja, da hatte ich natürlich mit Ernstings Family und H & M keine Chance. Dabei wäre ich bei passender Gelegenheit und passendem Gegenüber durchaus schon mal bereit, das Ding auszuziehen (ich hoffe alle Leser sind volljährig). Aber nur, wenn derjenige mich auch in Baumwoll-weiß liebt – sonst schon mal gar nicht.

Ansonsten spiele ich die derzeit die beliebte Vorabendserie: Gute Zeiten gibt es, wenn ich abends mit einem Gläschen Rotwein auf dem Sofa liegen und mich in meinem Wand-bereinigtem, ordentlichen Zuhause umsehe, was zugegebener Maßen leider eher seltener vorkommt. Schlechte Zeiten gibt es, wenn ich heulend im Matsch vor dem Betondeckel meines Regenwassertanks liege und das Ding keinen Zentimeter bewegt bekommen. Ich habe einen Klempner angerufen, weil die gesamte Anlage nicht mehr funktionierte. Der hat glücklicherweise auch den Deckel bewegt. Nun läuft es wieder. Im Gegenzug gibt es nichts zu Weihnachten. „Liebe Kinder, dieses Jahr hat der Weihnachtsmann den Klempner bezahlt. Jetzt gibt es zwar keine Geschenke, dafür stinkt es bei uns im Hausanschlussraum aber auch nicht mehr.“ Sie werden es bestimmt verstehen.



1 Kommentar 14.11.10 14:50, kommentieren

Hebsttage und ein Leben ohne Schraubendreher

Wand ist zutiefst verletzt. So verletzt, dass er nun am 2. Oktober tatsächlich seine High-Heels (Gr. 42), seine CD-Sammlung und das schwarze Ledersofa nahm, und auszog. Nicht, dass der Grund für unsere Trennung Steffi heißt, nicht das er mit seinem Betrug und seinen Lügen unsere dreizehneinhalb Jahre währende Beziehung mal eben so vor die wortwörtlich Wand gefahren hat, nein, ich war es! Vor zwei Jahren nämlich, habe ich seine Wahl der Badezimmer-Tapete kritisiert. Das hat ihn schwer getroffen. Zum Beispiel. Über andere Dinge, die unsere Beziehung so offensichtlich zerstört haben, muss er nun nachdenken.

Ruhe dazu hat Wand ja jetzt. Die Kinder hat er in "seiner" Ferienwoche zu meinem Vater gebracht, dieses Wochenende sind sie bei seinen Eltern. Und ich? Ich habe geheult, meinen Durst mit Sambucca gelöscht und gestrichen  - Wand sozusagen aus meinem Leben. Zirka 200 Quadratmeter Fläche mussten dran glauben: Dachboden, Schlafzimmer, Treppenhaus. Dafür konnte ich mich am Auszugstag dorthin flüchten, wo es mir gut geht, an den Ort der Geborgenheit: den Baumarkt! Da bin ich Mensch, da werde ich noch geachtet! Und es ist den Mitarbeitern völlig egal, was ich von der Badezimmer-Tapete halte (ich musste sie übrigens tapezieren, und wer schon mal auf Raport geklebt hat, der weiß, warum ich Kritik geübt habe!!!!).

Schlimm war es aber doch  - trotz Trost-Currywurst extra scharf! Irgendwann am besagten Samstagabend kam der Moment, an dem ich feststellte, dass mit unserem gemeinsamen Leben auch sämtliche Schraubendreher inklusive Akku-Schrauber aus meinem Zuhause verschwunden waren. Ich habe geheult wie ein Schlosshund. Sogar ein "Heul-Ekzem" habe ich mittlerweile unter dem rechten Auge. Inzwischen hat mein Vater mir jedoch einen sehr handliches Ersatzgerät geschenkt - das hat meinen Schmerz ein klitzekleines bisschen gelindert.

Außerdem wurde ich bereits angeflirtet. Jawohl, die gute, alte, gerade wegen der platinblonden viel attraktiveren Krankenschwester verlassene Elsie! Vom Kioskmitarbeiter meines Vetrauens. Also, quasi. Er griff nämlich sofort zur West-light-Softpackung, als ich das Lädchen betrat. "Au weia, komme ich so oft?", fragte ich ehemalige Nichtrauerin sofort reumütig. "Ich höre bestimmt bald auf!""Nee, mach das nicht, dann sehen wir uns ja gar nicht mehr!" Na, ist das was? Was ich immer sage: Auch der Herbst hat schöne Tage!

Ansonsten bin ich gerade dabei zu überleben. Ein neues Parfüm - was ich mir eigentlich nicht leisten kann - und ein totschickes Strickkleid - das ich mir ebenfalls nicht leisten kann - und ein neuer Schlüpfer (anthrazit-schwarz) sollen mir dabei helfen.

Wand versucht hingegen, Profit aus der Sache zu schlagen. Sein Versuch, mich daran zu hindern, die Lohnsteuerklassen zu ändern, ist allerdings gescheitert. Wand vergass bei seiner Rechnung nämlich mal eben schlappe 10 000 Euro, die er seiner alten Firma - ebenfalls nur durch Betrug und Lügen - aus dem Kragen geleiert hat - mit einzubeziehen. Schade, die dumme Elsie hat`s gemerkt! Nun muss er wohl doch Steuern zahlen. Dabei ist er doch schon so gebeutelt. Überall spricht er davon, wie schwer ihn unsere Ehekrise (namens Steffi, was er nicht erwähnt) getroffen hat. Sogar die Parmesan-Reibe haben wir behalten! Und den Fön, die er als aufmerksamer Liebhaber extra für seine Krankenschwester bereit stellen wollte. Er selbst hat sich noch nie gefönt  - das Gerät blieb also im Schrank!

Ich erfahre dafür tagtäglich hübsche Details aus dem Liebesleben der beiden Turteltäubchen. Wand streitet allerdings alles ab. Böse, hinterhältige Mitmenschen unterstellen ihm zum Beispiel, dass er bereits im Frühjahr ewig mit dem Auto vor dem Haus der Krankenschwester parkte. Nie hat er das gemacht, niemals! Komisch nur, das diese Mitmenschen gar nichts von unserer Trennung wegen eben dieser Krankenschwester wussten.

Der arme Wand! Glücklicherweise fangen ihn Mama, Papa und gute Freunde auf. Ihnen kann er von seiner bösen Elsie erzählen, die nicht mal die Badezimmer-Tapete akzeptiert hat (aber sie klebt!!!). An Mutters Busen gedrückt wird aber sicherlich alles wieder gut.

 

24.10.10 16:18, kommentieren

Mäusschenohren und Frauen in Pflegeberufen

Wand lässt packen. Das ist ja wohl das Mindeste, was ich für ihn tun kann! Immerhin habe ich sein großzügiges Angebot, ihm seine neue Wohnung zu tapezieren, dankend abgelehnt. Dabei bin ich richtig gut darin. Zwischen einer Erfurther Rauhfaser und mir gibt es eine tiefe Symbiose, die vielleicht nur noch durch meine Leidenschaft für Red-Band-Weingummi getoppt wird. Tapezieren und Tiramisu – das sind die Dinge, die ich wirklich kann! Aber im Einpacken bin ich nach elf Umzügen auch nicht schlecht.

Wand hätte es aber auch leichter haben können. Bereits im April habe ich – nachdem ich von seiner zuckersüßen SMS an seine Krankenschwester erfahren haben – seine Koffer gepackt. Unter Tausenden von Beschwörungen, wie sehr doch eigentlich mich liebt, und dass er rein gar nichts für sie empfindet („Ich habe mich da in was verrannt, ich war ein Idiot“ hat er sie wieder ausgepackt.

Und auch im Mai, als ich seine komplette Büroausrüstung liebevoll in diese praktischen, blauen Müllsäcke, verstaut hatte, ordnete er alles wieder fein säuberlich in die Regale („Ich habe doch keinen Kontakt zu ihr, ich habe gar kein Interesse“. Er hätte sie nur wegtragen müssen – waren ja nur vier! Wenn man sich nämlich mit etwas Anlauf drauf setzt, kriegt man die Sachen sehr komprimiert. Dafür ist so ein breites Hinterteil unheimlich gut.

Nun kommt sein bisheriges Leben mit uns also in Umzugskartons. Da er durch das Tapezieren aber so gestresst ist – Entschuldigung, zwei Zimmer in drei Tagen!!!! (ich wäre an einem Nachmittag fertig!!!) muss ihm die gute, alte Elsie eben unter die Arme greifen. Vielleicht hilft ja die Krankenschwester beim Auspacken! Außerdem muss er sich natürlich auf seine – gelegentlichen – einsamen Abende vorbereiten. Dafür hat er bei Ebay bereits eine Perücke, brünett mit gedrehten Spitzen, ein hautenges transparentes Blüschen und ein Paar niedliche High-Heels in Größe 42 bestellt.

Ja, außer der Lehrschwester hat der gute Wand eben noch ein paar Geheimnisse. Übrigens, zumindest auf den ersten Blick haben die der Krankenschwester die gar nicht gefallen. Das Bild, dass Wand per Selbstauslöser von sich gemacht hat, schien nicht ihr Geschmack zu sein. Ich habe es ihr nämlich bei unserem lauschigen Treffen im Gartenrestaurant mitgebracht. Kann ich gar nicht verstehen: Wand sah doch toll aus in seinem Ledermini, mit Stöckelschuhen und den Mäuschen-Ohren aus der Verkleidungskiste der Kinder! Will sie etwa die Ohren?

Vielleicht hat sie aber auch nur der Hundenapf gestört. Da klebte nämlich noch Futterreste dran, und Krankenschwester sind da ja ziemlich penibel. Andererseits, Frauen in Pflegeberufen sollte doch nichts Menschliches fremd sein. So`n kleiner Einlauf vor dem Frühstück ... Höchstwahrscheinlich kann sie mit Wand nun endlich all ihre Phantasien ausleben. Etwas dominant fand' ich sie schon immer!

Und das sollte mir eigentlich egal sein – ist es nur dummerweise nicht! Ich finde es S C H R E C K L I C H! Abartig! Höchstens mit zwei bis fünf Sambucca kann ich leicht darüber schmunzeln – irgendwann mal. Und außerdem ärgere ich mich, dass ich für dieses illustre Freizeitvergnügen auch noch mit aufkommen muss. Noch haben wir ein gemeinsames Konto. Ich finde die Lehrschwester könnte sich ruhig mal dran beteiligen. Ist doch ihr Hobby! Wie viele Flaschen Sambucca könnte ich mir davon leisten, um die kommenden Wochen zu überstehen. Mindestens fünf! Wenn sie gerade im Angebot sind...

Bis zu seinem Auszug am kommenden Samstag gibt Wand jedoch noch mal tüchtig Gas. Ich soll es mir immer noch überlegen! Schließlich liebt er ja nur mich – wie das letzte Jahr deutlich gezeigt hat. Ja, Wand, die Schwester und ich haben in der vergangenen Woche Jahrestag gefeiert. Zwischen meinem Latte Macchiato und den letzten Brötchenkrümmeln hat er mir damals eröffnet, dass er sich in dieses bezaubernde, platinblondgefärbte Miststück (war das jetzt zu hart???) verliebt hat. Anschließend musste ich arbeiten. Schön war`s. Abends hat mir dann meine damalige Freundin – also das Miststück – erklärt, dass das für sie ja überhaupt nicht in Frage käme. Sogar an ihre Brust gedrückt hat sie mich.Tja, und Wand hat dann auch kräftig zurück gerudert und bei mir alles gegeben. Tolle drei Monate hatten wir! Bis, ja bis...

Wahrscheinlich sollte ich langsam mal damit aufhören. Diese selbstquälerischen Tendenzen sind bestimmt nicht gut für das Herz-Kranz-System! Reicht ja, wenn Wand mir durchaus eine Mitschuld einräumt. Wer hat ihm denn in den vergangenen Monaten keine Zeichen seiner Liebe gegeben? Jawohl, ich!!!! Weil ich tatsächlich ziemlich gereizt war! Ich finde Affären meines Ehemannes eben unschön. Daran muss ich wohl arbeiten. Diese Null-Toleranz-Grenze ist möglicherweise mein Hauptproblem. Jetzt aber erstmal Wands!

26.9.10 14:39, kommentieren

Wofür der liebe Gott die Ikea-Trafos geschaffen hat

Aus der Traum vom Küchenglück. Habe ich es nicht gleich gesagt? Einbauküchen waren schon immer mein Verderben. Diesmal endete die krokantfarbene Illusion an einem Sonntag im August. Oder vielleicht schon ein paar Tage eher. Also an dem Dienstag davor.

Wand hatte sich in den letzten Tagen sehr bemüht. Rollte Sushi für mich, zündete Kerzen an und bat mich, es doch noch einmal mit ihm zu versuchen. Fast schon wankte mein Entschluss, das Haus zu teilen, Wand bei den Kindern und seiner Ceran-Gas-Kochplatten-Kombi im Erdgeschoss zu lassen und im oberen Geschoss mein Glück zu finden. Um, wie Wand stets betonte, zwar eine räumliche Distanz zu schaffen, aber immer noch die Chance zu haben, wieder zu einander zu finden. Was, so Wand, sein innigster Wunsch sein.

Ich zog also mal wieder den Hund durch den Wald, als mein Handy klingelte. Wand! Er wollte wissen, wo ich denn wäre und die Kinder, er müsse nämlich ganz dringend zur Post. Sofort schrillten bei mir die Glocken. Und tatsächlich, zehn Minuten später, bekam ich statt Wands Stimme nur das Besetztzeichen von seinem Handy. Aber das, so betonte er später ausführlich und umständlich, lag nur daran, dass sein Telefon abgestürzt ist. Wand hat nach 13,5 Jahren noch nicht gemerkt, dass ich gar nicht blond bin.

An besagtem Sonntag konnte ich es mal wieder nicht lassen. „Schwöre beim Leben deiner Kinder, dass du keinen Kontakt zu ihr hast“, forderte ich höchst pathetisch. Wand blieb ganz Wand. „Warum sollte ich das für dich tun?“ Und da lag er dann, handlich und unschuldig auf meinen Schreibtisch, der kleine Ikea-Trafo, von dem schon seit Langem niemand mehr wusste, wofür er überhaupt gedacht war. In diesem Moment wusste ich es. Mit einem gezielten Wurf – ein ähnlich guter hatte mich mal zur Jahrgangsbesten bei den Bundesjugendspielen gemacht – traf ich ihn am Kopf.

Wahrscheinlich hätte es bessere Stellen in der Körpermitte gegeben, schlecht war der aber nicht. Danach flog sein heiß geliebter Palm aus dem Fenster. „Bei jeder Lüge fliegen weitere Teile“, drohte eine bitterböse Elsie. Wand zuckte bereits. Ich griff in seine Eingeweiden: zu seiner Kamera! Da setzte es bei Wand aus. Wenn Wand überhaupt etwas liebt außer sich selbst, dann ist es seine Nikon. Die Kinder, den Hund und selbst mich hätte ich aus dem Dachfenster halten können – kein Problem. Aber nun sang er. Seine hübsche kleine Affäre mit der willigen Krankenschwester lief nämlich munter weiter. Die ganze Zeit.

Monatelang hatte er geschworen, versprochen und bereut. Tag für Tag. Ehe, Kinder, Existenz – all das hatte er für sein blondes Hässchen gerne riskiert. Nicht aber seine Spiegelreflex! Welche Frau ist das wert? Nach seinem Geständnis tat Wand dann das, was er immer macht: Er haute ab. Und ich? Ich rief mit seinem Handy die Krankenschwester an, der ich natürlich im Urlaub sehr ungelegen kam. Aber gütig wie Menschen in Pflegeberufen nunmal sind, öffnete sie mir ihr Zeitfenster und räumte mir einen Termin in sieben Tage, nach ihrer Rückkehr, ein.

Wand kehrte erst am nächsten Morgen zurück. Am Abend gab er mir dann seine bis dato geheime Prepaid-Karte, die er ausschließlich für sein Schnuckelchen nutzte. Und Schnuckelchen schrieb auch gleich fleißig, wie cool sie mich doch „abgeblockt“ hätte. Und das er mir doch bitte nicht verraten sollte, dass sie ihm von unserem Telefonat informierte. Zwei Tage später bat sie ihn dann um ein Treffen – natürlich vor unserem Date am Sonntag – und persönlich. Dumm nur, dass Wand mir erstens seine Telefonkarte gelassen und er zweitens endgültig die Flucht in ein Ferienpark in Holland ergriffen hatte. Und drittens war ich selbstverständlich gerne bereit, eher mit ihr zu reden – persönlich. Ich antwortete für ihn.

Tatsächlich war Mausi dann am Samstagabend ordentlich überrascht, statt ihres charmanten Bettgespielen plötzlich dessen Ehefrau gegenüber zu stehen. Schließlich hatte sie extra ihre Haare neu blondiert, eine schicke Bluse angezogen, die Falten aufwendig kaschiert und ein romantisches Gartenrestaurant für den Anlass ausgesucht. Aber sie redete. Drei Stunden lang. Zugegeben, schön war es nicht, zu hören, dass Wand und ich eigentlich schon gaaanz lange auseinander sind, er nur noch nicht das passende wohnliche Ambiente gefunden habe, um sich endgültig von mir zu trennen. Außerdem wäre ich ja ab Oktober arbeitslos – was, ätschibätschi gar nicht stimmt! - und wir das finanziell noch gar nicht hin bekämen. Ehrlich gesagt, war jeder Satz ein Schlag in den Magen.

 So gesehen war die Krankenschwester ja ein reiner Unschuldsengel, die wohl ganz verdrängt hat, dass ich bereits im September und dann noch mal im April mit ihr geredet hatte. Aber auch sie war offensichtlich überrascht vom Sushi-Essen, von der räumlichen Distanz um wieder zu mir zurück zu finden, von den vielen „Elsie, wir schaffen das doch“ .... und vielem mehr. Und auch von seinem hochinteressanten Profil auf Sexsklavenzentrale.com, was ich ihr extra mitgebracht hatte. Gut, die Nummer mit der Prepaid-Card ließ ich vorsichtshalber mal weg. Umso härter traf sie wohl die Nachricht, die da plötzlich von Wands Absender kam: „Und, wie läuft's?“, fragte Wand, während sie mit seiner Frau plauderte. In Wirklichkeit war es meine Freundin Moppel, die mich zum Treffen gefahren hatte und zu diesem Zeitpunkt im Besitz von Wands Handy war.

Tja, da hatte Wand wohl Spaß während der vergangenen Monate. Richtig Spaß. Soviel Spaß, dass er jeden und alle belogen hatte. Die Krankenschwester tat naiv. Für sie wären das ja ganz andere Voraussetzungen gewesen. Sonst hätte sie das ja nie getan. Nee, ist klar. Geheim Handynummern, heimliche Treffen mit getrennten Anfahrten, nächtliche SMS.... alles ganz andere Voraussetzungen! Vielleicht muss ich noch erklären, dass die Krankenschwester und ich einst – bis sie sich meinen Mann angelte - sehr gute Freundinnen waren. Eine meine besten dachte ich sogar. Angefangen hat unsere Freundschaft übrigens, als ihr Mann sie vor drei Jahren wegen einer anderen – heimlichen Affäre – verlassen hat. „Wie kann diese Frau das tun, ein verheirateter Mann, Vater von zwei Kinder“, heulte sie damals. Und Elsie, die blöde Kuh hatte Mitleid. Auch als Mausi Schweingrippe hatte oder ihr Garten während ihres Urlaubs bewässert werden musste. Oder als ihr Scheidungstermin war.... Ja, ich war nicht blöd, ich war saublöd.

Das ist nun vorbei. Wie übrigens alles andere auch. Denn am nächsten Tag rief Blondchen bei mir an. Und ich schlug vor, Wand gemeinsam mit all seinen unterschiedlichen Wahrheiten zu konfrontieren. Und Wand, überzeugt von der Blondheit aller Frauen und der wahnsinnigen Überlegenheit der männlichen Gattung, schöpfte keinen Verdacht, als ich ihm vorschlug, mit mir Essen zu gehen. Er schlug sogar noch das Lokal vor, in dem Blondie und ich uns bereits verabredet hatten. Gut, in aller Bescheidenheit muss an dieser Stelle mein oskarverdächtiges Schauspieltalent erwähnt werden. Sonst hätte es wohl nicht funktioniert. Kurz um, Wand war entsetzt, Mausi souverän, und ich in Versuchung, Wand die Rotweinflasche über den Kopf zu ziehen, nachdem ich den Inhalt über seiner Süßen geleert hatte. Die Krankenschwester ging und Wand bekam ein Ultimatum. Bis zum 1. Oktober hat er Zeit, danach fliegt nicht nur die Kamera.

Zwei Tage lang rutschte er anschließend auf Knien vor mir herum. Fast kam ich mir vor wie ein Guatannamo-Häftling, dem durch Schlafentzug und Dauerfolter ein „ja-Wand-du-kannst-bleiben- ich-verzeihe-dir-alles-und-überhaupt-bin-ich-eigentlich-Schuld-an-deiner-schmutzigen-Affäre“ entlockt werden soll. Auch ich kann nur ein gewisses Maß an Alkohl, Zigaretten und Schlafmangel verkraften. Und davon hatte ich in den vergangenen Monaten nun wirlich mehr als genug. Dann war er schon fast wieder der Alte. Ja, tatsächlich, bin ich an allem Schuld. Er musste die ganze Zeit vergeblich auf ein Zeichen meiner Liebe warten. Was blieb ihm da anderes übrig, als weiter mit meiner besten Freundin in die Kiste zu steigen? Gut, in meiner verschobenen Wahrnehmung sehe ich das sicher anders, aber ich bin ja nun auch die kleine, dumme Elsie. Allerdings fragt er ein bis zweimal am Tag, ob ich es mir nicht noch einmal überlegen will. Schließlich habe er immer nur mich geliebt und wollte mich nie verlassen. Blondie war nur für Spaß – sprich Sex. Ha! Ach ja, und er fragt, ob ich ihm nicht helfen könne, seine neue Wohnung zu tapezieren....

1 Kommentar 12.9.10 17:06, kommentieren

Strauch-Astern, Zwischenbeziehungen und die große Liebe

Mein Nachbar Uwe ist ein Philosoph. Naja, eigentlich ist er Chemiker. Aber das, was er mir neulich Abend über einem Glas kanadischen Whisky gesagt hat, hat wohl auch mit Beidem zu tun: "Jeder hat in seinem Leben siebenmal die Chance, die große Liebe zu erleben." Ha! Es gibt also auch für mich noch ein Leben nach Wand! Vielleicht. Im Gedanken überschlug ich also. Grob gerechnet sind fünf schon weg. Bleibt noch eine.

Nein, ich habe mich nicht verrechnet. Eine große Liebe habe ich nämlich vorsichtshalber für George Clooney reserviert. Man weiß ja nie. Eines Tages bekomme ich höchst wahrscheinlich eine hinreißend romantische, humorvolle, erotische E-Mail von ihm - und dann will ich bereit sein. Vielleicht so:  "Liebe Elsie, wann kommst du endlich zu mir in meine geschmackvoll eingerichtete, geräumige Villa an den Comer See? Meine Nespresso-Maschine glüht Tag und Nacht für dich. Ich warte voller Sehnsucht...." oder so ähnlich. Wäre doch blöd, wenn ich dann gerade nicht zur Verfügung stände und statt dessen in den Armen irgendeines jugendlichen, rassigen Liebhabers liegen würde, der möglicherweise nicht einmal einen anständigen Latte Macchiato zubereiten könne.

Aber für den Übergang würde ich ihn nehmen, also den rassigen Liebhaber. Ich soll sogar. Wurde mir von Experten empfohlen. "Frau Elsie, haben Sie schon mal über eine Zwischenbeziehung nachgedacht? Würde Ihnen gut tun." Bei Lidl gibt es die allerdings nicht, wurde mir auf meine Frage, wo ich die denn so plötzlich her nehmen soll, geantwortet. Eher sollte ich im Internet suchen (kommt gar nicht in Frage!!!!) oder mal ausgehen (mit wem? wohin? Und dann?). Mmmh.Das klang kompilziert. Ich bestellte normalerweise gerne per Katalog. Das ist so schön gemütlich, vom Sofa aus. Einfach Größe und Design auswählen (1,85 Meter groß, schlank, gutaussehende), bestellen und in einer Woche sitzt der Traummann mit mir auf der Couch, bezahlbar per Rechnung in 30 Tagen. Und eine Prämie - zum Beispiel ein hübsches Frotteehandtuch- gibt es noch obendrein.

Ja, ich glaube also tatsächlich noch an die große Liebe - trotz Wand, Einbauküchenerfahrungen und dem ganzen Schlamasel. Und mein Glaube daran, dass es sie gibt, wurde nun sogar ganz handfest untermauert. "Ich geh`heute noch nach`n Erwin", hörte ich nämlich vor ein paar Tagen auf dem Wochenmarkt in meiner idyllischen Kleinstadt. Am Blumenstand! Ja, dachte ich, richtig so. Wir Frauen sind emanziepiert. Da darf auch die Damen dem Mann ihres Herzens mit Blumen überraschen. Wie aufmerksam.

Gertrude, so nennen wir sie mal, wählte für dieses Ereignis zehn gelbe Rosen aus (nein, nicht rot. Man muss ja nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen). "Binden se mal fünf nett zusammen." Die anderen fünf, erklärte sie ihrer Begleiterin, seien für Benjamin. Na, man darf sich ja wohl Optionen offen halten. Aber dann: "Und dann geben se mir noch mal fünf vonne gelben Strauch-Astern. Die sind fürn Dieter." Das erschütterte mich nun doch. Eine weibliche Don Juan - und das in unserer beschaulichen Gemeinde!

Ich bin nun wirklich nicht prüde, aber das erschütterte nun doch mein Glauben an die ewige Liebe, an Treue und aufrichtige Gefühle. Gleich drei!!! Und das in Getruds Alter! Wie macht die das nur? Ich war neidisch. "Letzte Woche war ich da, und da war alles ganz trocken.." Also bitte, ich wollte nun wirklich rein gar nichts über Getruds sexuellen Hemmnisse im Alter erfahren. Nicht am hellen Vormittag, in aller Öffentlichkeit am Blumenstand und eigentlich überhaupt nicht. "... auf´n Friedhoff".

Das saß. Ich schämte mich. Für all meine schändlichen Gedanken über Getruds ausschweifendes Liebesleben, meinen Neid und für die schäbbigen Strauch-Astern. Dieter hatte bestimmt besseres verdient! Aber die Getrud! Treu bis nach dem Tod. Rosen für Erwin und Benjamin, immerhin Astern für Dieter. Das nenne ich Liebe! Davon können sich die Wands dieser Welt eine dicke Scheibe abschneiden. Schön schräg und gleich in frisches Wasser stellen.


1 Kommentar 15.8.10 12:53, kommentieren

Testosteron - die Wurzel allen Übels

Wer oder was ist also Schuld an der ganzen Misere, in der ich und höchstwahrscheinlich die andere Hälfte der Weltbevölkerung steckt? Wand ist es jedenfalls nicht. Im Gegenteil, er ist schwer gekränkt, dass ich ihm das alles so übel nehme.

Und seine smarte Krankenschwester ist genauswenig daran beteiligt, wie das Internet, in dem Wand ja auch die eine oder andere nette Bekanntschaft schloss. Nein, die Antwort ist eine ganz andere! Ich erhielt sie völlig unerwartet an einem späten Samstagabend. Zufällig erwachte ich nämlich vor einigen Monaten aus meinem Sofaschlummer bei der großen Samstagsreportage eines Privatsenders im Fernsehen. George, ehmals Gaby oder so, erzählte darin von seiner Geschlechstumwandlung. George-Gaby war ein netter, sensibler und mitfühlender Mensch, der an Liebe, Treue und Freundschaft glaubte. Doch dann kam es: allen Übels Wurzel, das TESTOSTERON! In wenigen Wochen verwandelte George-Gaby sich nämlich via Hormongabe in ein Wesen mit Brusthaar und tiefer Stimme, mit Tunnelblick und Scheißegal-Gefühl, sprich in einen Mann.

In mir keimte eine schreckliche Erkenntnis: C19H28O2 ist Schuld an fast allem, angefangen beim Brudermord Kains an Abel, über die Trojanischen Kriege und Schlacht bei Trafalga, bis hin zum Kennedy-Attentat und der Niederlage der deutschen Nationalmannschaft im Halbfinale der diesjährigen Fußball-WM gegen Spanien. Die einen haben zuviel, die anderen zuwenig Testosteron - und schon geht alles schief.

Mir fielen die Erdnüsschen aus dem Mund. „Ich will auch Testosteron“, sagte ich deshalb am folgenden Montag zu meiner Kollegin. Den Damenbart wollte ich dafür gerne in Kauf nehmen. „Was willste denn damit. Dann musst du alle Nase lang irgendjemand ins Bett zerren“, behauptete diese.

Darüber musste ich einen Moment nachdenken. Warum sollte das jemand wollen? Sollte ich meine Bettlektüre künftig etwa laut vorlesen? War es nicht schon eng genug zwischen meinen Federn mit wechselweise Sohn, Tochter, Hund oder Kater (manchmal auch alle gleichzeitig) dazwischen? Dann fiel es mir wieder ein. Da war doch noch mal was anderes, lang, lang ist es her, meldete mir eine versunkene Erinnerung aus dem Kleinhirn. „Na und? Kann doch ganz nett sein“, trotzte ich also zurück. „Das bringt doch alles nichts!“ Meine Kollegin gehört eben auch zu den Testosteron-Geschädigten.

Dennoch, mir war plötzlich vieles klar. Wand war tatsächlich ein armes Opfer seiner Zellprodukte. Ein letztes Aufbäumen vor dem Hormon-Exodus. So ist das, wenn Männer in die Wechseljahre kommen.

Besser fühle ich mich durch dieses Wissen nicht. Im Gegenteil. Wir Frauen werden schließlich für diesen Mangel an Scheiß-Egal-ich-nehme-was-ich-kriegen-kann-Hormonen mit Östrogenen entschädigt. Und die, wer wüsste das nicht, sind schließlich für die zweitschlimmste Geißel der Menschheit, für die Cellulite, verantwortlich. Männer haben Sex, wir Orangenhaut.

1 Kommentar 10.8.10 13:03, kommentieren